[Rezension] Schnick, schnack, tot – Mel Wallis de Vries

Sep
15

Autorin: Mel Wallis de Vries
Titel: Schnick, schnack, tot
Originaltitel / Übersetzerin: Klem / Verena Kiefer
Seitenanzahl: 285
Erscheinungsdatum: 9. September 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: one
Buch oder Netflix? Buch!

Ein spannender Krimi von Mel Wallis der Vries, der niederländischen Queen of Crime.
Klassenfahrt! Alle freuen sich auf das verlängerte Wochenende auf der Insel Vlieland. Doch dann wird Kiki erwürgt in den Dünen aufgefunden. Ihre Mitschüler sind im Schockzustand. 
Die Polizei fängt an zu ermitteln und schnell wird klar, dass fast jeder ein Motiv gehabt hätte. Dann macht die Neuigkeit die Runde, dass niemand die Insel verlassen kann, weil ein Sturm aufgezogen ist und jeglicher Schiffsverkehr eingestellt wurde. Allen ist klar, dass der Mörder mitten unter ihnen ist. Langsam aber sicher wird der Aufenthalt auf der Insel zu einem wahren Höllentrip …

Was für ein großartiges Katz-und-Maus-Spiel mit genauso viel Verdächtigen, wie es Charaktere in diesem Buch gibt. 
Gleich im Prolog wird man mitten in die Geschichte geschmissen und bereits auf den ersten Seiten wird sehr große Spannung aufgebaut, die sich während des gesamten Buches hält. Man erfährt dort schon von dem Mord, ist praktisch live dabei, doch der Prolog ist mehr oder weniger nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was da noch kommt, denn die Klassenfahrt auf die Insel Vlieland hätte wohl nicht mehr aus dem Ruder laufen können…
Kiki, die diese Klassenfahrt nicht überleben wird, ist eine arrogante, oberflächliche Zicke, wie sie im Buche steht. Hat man sie als Freundin, braucht man keine Feindin mehr. Es ist dabei auch ganz egal, mit wem sie redet, sie verteilt ihre gemeinen Kommentare und Sticheleien an jeden und macht sich damit mehr und mehr Feinde. 
Sei es nun Lotte, die in ihrer alten Schule nur gemobbt wurde und erst seit kurzem in der Klasse ist. Kiki spielt ihr vor, sie zu mögen, da Lottes Vater der Regisseur des Schulmusicals ist und sie so hofft, die Rolle zu bekommen. Oder auch Juno, ihre eigentlich beste Freundin, die eben auch diese Rolle im Schulmusical haben wollte, nun aber nach Kiki bloß die zweite Geige spielt.
Und das sind bloß zwei Beispiele… Kiki spritzt mit Bosartigkeit nur so um sich und so gut wie jeder hätte ein Motiv für den Mord. Mel Wallis de Vries hat dieses großartig aufgebaut. Bis zur Auflösung hatte ich so ziemlich jeden aus dem Buch in Verdacht und war letztendlich doch überrascht. So muss ein Psychothriller sein!
Großartig hat mir besonders gefallen, dass die Geschichte aus den Perspektiven von verschiedenen Schülern und Lehrern (und auch einigen anderen Personen) erzählt wird. Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer bestimmten Person erzählt, was natürlich spannende (und zu Mutmaßungen anregende!) Blickwinkel ergibt. Dabei sind viele durch ihre Handlungen und Gedanken so verdächtig oder eben auch unverdächtig, dass ich praktisch hilflos durch die falschen Fährten gestolpert bin, was ein riesiges Vergnügen war. Gerade diese Abwechslung durch die verschiedenen Erzähler gibt dem ganzen noch eine ganz andere Dimension.
Dabei hat die Autorin es auch geschafft, jedem ein Stück weit seine eigene Stimme zu geben. Die Kapitel von Juno lesen sich zum Beispiel ganz anders als die von Floris, einem Mitschüler. Es kam mir wirklich so vor, als würden die Erzähler wechseln, weil eben auch der Stil wechselte. Beide Daumen hoch dafür!
So viele Verdächtige und falsche Fährten habe ich selten in einem Buch gefunden und es war ein großes Vergnügen herauszufinden, wer Kiki umgebracht hat. Toll geschrieben mit einer tollen Story. Sehr empfehlenswert!
Vielen Dank an den one-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Die Spreewaldgurkenverschwörung – Cathrin Moeller

Sep
08

Autorin: Cathrin Moeller
Titel: Die Spreewaldgurkenverschwörung
Originaltitel: Die Spreewaldgurkenverschwörung
Seitenanzahl: 304
Erscheinungsdatum: 10. Juni 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: mtb
Buch oder Netflix? Buch!

Das Universum hat sich gegen Helene verschworen: Die Chefin nervt, der Bruder steht mit einem Bein im Gefängnis … und nun wird die gutmütige Apothekenhelferin auch noch des Mordes verdächtigt! Dabei ist sie doch nur zufällig beim Medikamenteausliefern über eine Leiche gestolpert und dann hat sie halt dummerweise das Messer rausgezogen … Aber so leicht gibt sich Helene nicht geschlagen. Nimm dies, Universum! Mit der Unterstützung ihrer schönen und unerträglich perfekten Schwester, der Staatsanwältin Lisa, macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Eine heiße Spur führt die ungleichen Geschwister in den scheinbar idyllischen Spreewald. Doch im brandenburgischen Dickicht lauern außer blutrünstigen Mücken noch weitaus gefährlichere Gegner und das Chaos ist stets nur ein Gurkenglas entfernt …

Vor der Lektüre dieses Buches hätte ich nicht gedacht, welche menschlichen (zum Brüllen komische!) Abgründe sich auftun, wenn es um so etwas offensichtlich harmloses wie Spreewaldgurken geht.
Protagonistin Helene hat es wirklich nicht leicht. Die Apotheke, in der sie angestellt ist, schmeißt sie mehr oder weniger alleine, während sie sich von ihrer Chefin (vor der jede Furie Reißaus nehmen würde) anmeckern lassen muss. Doch auch zu Hause hat sie es nicht einfach. Ihr 19-jähriger Bruder ist auf Bewährung in der Welt unterwegs und hält sich für einen extrem coolen Gangster, ihr Vater wäre ja so gern ein Mafioso, ist dann aber doch nur ein durchschnittsdeutscher Kleinkrimineller mit Bauchansatz und Knasterfahrung, während ihre Mutter nach der Devise lebt: Wenn ich es nicht sehe, passiert es auch nicht. Da hilft es Helene auch nicht, dass ihre blöderweise ziemlich perfekte und sehr schlanke Schwester Lisa Staatsanwältin ist und von allen Familienmitgliedern in den Himmel gelobt wird. 
Und als wäre das nicht schon genug, wird sie, da sie unglücklicherweise zur falschen Zeit am falschen Ort war, auch gleich noch des Raubmordes verdächtigt, bei dem ein Gurkenrezept eine wichtige Rolle spielt. Und wer dachte, dass bis jetzt schon alles chaotisch war, dem sei gesagt: jetzt geht es erst richtig los!
Helene war mir von Anfang an extrem sympathisch. Ein bisschen trottelig und tollpatschig kommt sie daher, ist dabei extrem lustig und sarkastisch und einfach nur die Art von Frau, die wohl jeder gern als beste Freundin hätte. Cathrin Moeller lässt sie während des Buches aber auch wirklich von einem Fettnäpfchen ins Nächste treten und erzählt dieses mit so viel Komik und Ironie, dass ich dieses Buch eigentlich mit einem Dauergrinsen auf dem Gesicht gelesen habe.
Überhaupt haben mir die Charaktere durch die Bank weg gut gefallen. Besonders Helenes Vater, der praktisch mit dem gesamten Gefängnispersonal bekannt ist und gleich mal eine bessere Zelle für seine Tochter organisiert, hat mir regelmäßig die Lachtränen in die Augen getrieben. Aber auch Torsten, ihr schwuler bester Freund und der ermittelnde Kommissar (inklusive seines Opas!) sind großartig charakterisiert und lebendig gemacht worden.
Gut gefallen hat mir, dass durchaus auch Spannung aufkommt und man bis zum Schluss nicht weiß, was es denn nun mit diesem ominösen Gurkenrezept auf sich hat. Eine menge Leute haben da ihre Finger drin und die Auflösung habe ich dann so doch nicht erwartet.

Pah! Liebe! Das ist auch nur ein Wort wie Leberwurst.
Seite 24 (laut E-Reader)

Da sah man mal wieder, wie lebensnah Schulwissen war. Das Mathebuch war schon immer der einzige Ort, wo jemand neundreiviertel Melonen kaufte.
Seite 194 (laut e-Reader)

Ein wunderbar lustiges Buch mit einer extrem sympathischen Protagonistin. Definitiv empfehlenswert!
Vielen Dank an den mtb-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Paris, du und ich – Adriana Popescu

Sep
04

Autorin: Adriana Popescu
Titel: Paris, du und ich
Originaltitel: Paris, du und ich
Seitenanzahl: 352
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: cbj
Buch oder Netflix? Buch!

Romantik pur hatte sie geplant – eine Woche Paris bei ihrem chéri Alain. Doch angekommen in der Stadt der Liebe, muss die sechzehnjährige Emma feststellen, dass Alains »Emma« inzwischen »Chloé« heißt und sie selbst nun dumm dasteht: ohne Bleibe, ohne Kohle, aber mit gnadenlos gebrochenem Herzen. Ähnlich down ist Vincent, dem kurz vor der romantischen Parisreise die Freundin abhandengekommen ist, und den Emma zufällig in einem Bistro trifft. Zwei Cafés au lait später schließen die beiden Verlassenen einen Pakt: Sich NIE wieder so heftig zu verlieben. Und nehmen sich vor, trotz allem diese alberne Stadt der Verliebten unsicher zu machen, allerdings auf ihre Art. Paris für Entliebte – mit Chillen auf Parkbänken, Karussellfahren auf alten Jahrmärkten, stöbern in schrägen Kostümläden. Doch ob das klappt: sich in der Stadt der Liebe NICHT zu verlieben?

Ich habe Heimweh! Heimweh nach Paris und seiner Magie, den Menschen und der Leichtigkeit. Nun denkt sich bestimmt jemand: “Meint die nicht Fernweh?” Nein. ich habe kein Fernweh. Ich habe Heimweh nach einem Ort, an dem ich noch nie war. Nach diesem Buch fühle ich mich, als wäre Paris ein Teil von mir, ein Wegbegleiter und ein bisschen auch mein Zuhause.
Emma, die 16-jährige Protagonistin dieses Buches ist schwer verliebt in Alain, einen Austauschschüler aus Paris. Während seiner Zeit in Deutschland waren die Beiden unzertrennlich und für Emma ist es eindeutig die große Liebe. Dass das für Alain vielleicht nicht unbedingt gilt, hätte sie eventuell schon ahnen können, als aus der filmreifen Abschiedsszene am Bahnhof, die sich in ihrem Kopf abspielt, nichts wird, weil Alain lieber mit einem anderen Mädchen redet. Emma glaubt aber weiterhin an die große Liebe und so macht sie sich in den Herbstferien nach Paris auf, um Alain zu überraschen. Überraschung kommt dann auch auch definitiv auf, als Alains Freundin die Tür öffnet…
Gefrustet, tieftraurig und enttäuscht lernt sie dann in einem Cafe Vincent kennen, der von seiner Freundin verlassen wurde, und schon bald wirkt die Stadt der Liebe ihre Magie.
Emma hat mich ein bisschen an mich erinnert, als ich 16 war. Sehr blauäugig und sehr schnell verliebt. Von daher konnte ich ihren Schmerz und die Enttäuschung sehr gut nachvollziehen. Schon bald merkt man allerdings, dass sie eine Entwicklung durchmacht, wobei ihr Vincent definitiv hilft. Sie wird selbstbewusster, sie traut sich mehr und ein Stück weit wird sie auch erwachsener.
Vincent, der sich selbst und Emma zu Herzschmerzfreunden erklärt und ihr dabei helfen will, mit dem Schmerz umzugehen, ist ein wunderbarer Charakter. Er ist lustig, verständnisvoll, abenteuerlustig, liebevoll… Es war eine Freude zu lesen, wie die Beiden sich näher kommen und langsam aber sicher ihre Schutzwände bröckeln, denn auch gerade Vincent trägt ebenso sein Päckchen mit sich herum und erst nach und nach wird klar, was er für Probleme hat.
Beide zusammen sind ein unschlagbares Team und besonders die Dialoge zwischen den Beiden sind großartig! Mal zum Brüllen komisch, mal tief traurig… Adriana Popescu weiß, wie man schreibt, das merkt man auf jeder Seite. Es war sofort eine besondere Spannung zwischen den Beiden spürbar und schnell wurde klar, dass die Chemie zwischen ihnen zu 100% stimmt. 
Vincent und Emma, Emma und Vincent… das neue Traumpaar!
Doch es gibt noch einen Hauptcharakter in diesem Buch und das ist definitiv: Paris!
Die Geschichte ist eine einzige Liebeserklärung an die Stadt. Es kam mir beim Lesen vor, als stünde ich daneben, als würde ich ebenfalls den Montmatre besuchen und hätte mich auch mit auf das Gemälde des neuen van Gogh gequetscht. Alles fühlt sich so lebendig, so voller Leben an. 
Und dazu gehört ohne Zweifel auch Jean-Luc, der wohl liebenswerteste ältere Mann, den ich je in einem Buch getroffen habe. Fast alle Szene mit ihm haben mir regelmäßig die Tränen in die Augen getrieben. Ich finde es wunderbar, was für einen wichtigen Platz er schon bald für Emma und Vincent einnimmt. Er ist Motivator, Philosoph, Herzheiler und noch so viel mehr. Jeder sollte einen Jean-Luc in seinem Leben haben!

Die Seitenstraßen sind mein Highlight, weil sie der eigentliche Star sind. Zumindest rede ich mir das ein, weil ich auch eher eine Seitenstraße im Leben bin.
Seite 22

Ich komme mir unglaublich fehl am Platz vor, als wäre ich aus einer RTL-Vorabendserie in einen französischen Arthouse-Film gestolpert.
Seite 31

Aber sind wir doch mal ehrlich, Emma. Woher sollen wir wissen, mit welcher Farbe wir unser Leben anstreichen wollen, wenn wir unsere Finger vorher nicht in alle Farbeimer getunkt haben?
Seite 90

Manchmal reagiert mein Körper nicht so, wie ich es erwarte. Dann komme ich mir vor, als hätte ich die Choreografie für meine Gefühle vergessen.
Seite 205

Einmal im Leben sollte man sich Hals über Kopf verlieben, weil es für keinen von uns eine Ewigkeit gibt.
Seite 300

Ich habe schon andere Bücher der Autorin gelesen, aber dieses ist unumstößlich ihr bisheriges Meisterwerk.
Vielen Dank an den cbj-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Kolibriküsse – Barbara Schinko

Sep
04

Autorin: Barbara Schinko
Titel: Kolibriküsse
Originaltitel: Kolibriküsse
Seitenanzahl: 242
Erscheinungsdatum: 4. August 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: Impress
Buch oder Netflix? Netflix

**Ein romantischer Sommer in der sengenden Hitze Indianas**
Weil ihre Mutter mal wieder auf einem Selbstfindungstrip ist, muss Kenzie für die letzten beiden Schuljahre zu ihrer Schwester ziehen. Das einzig Gute daran: die Autopanne kurz vor dem Ziel, die Kenzie in der sengenden Hitze Indianas eine Begegnung mit dem attraktiven Josh beschert. Kenzie verliebt sich Hals über Kopf in den heißen Farmboy mit den zerzausten Haaren und den kolibrigrünen Augen. Doch obwohl Josh ihre Gefühle scheinbar erwidert, weicht er ihren Flirtversuchen immer wieder aus. Als Kenzie sein Verhalten verstehen will, stößt sie auf ein gefährliches Geheimnis, das plötzlich ein ganz anderes Licht auf Josh wirft…

Dieses Buch hätte so schön sein können, wenn die Protagonistin nicht so unsympathisch gewesen wäre…
Kenzie ist bisher eigentlich nur durch die Gegend geschoben worden und fühlt sich ungewollt. Ihre Mutter begibt von sich von einem Selbstfindungstrip zum Nächsten, ihre Tante, bei der sie bisher gewohnt hat, ist schwanger und braucht ihr Zimmer für das Baby und auch ihre Schwester Page und deren Mann Lloyd scheinen nicht gerade in Jubel auszubrechen, weil Kenzie nun zu ihnen zieht. Kenzie begegnet dieser Situation mit einigem Sarkasmus, doch merkt man, dass sie schon an der Situation zu knabbern hat und es ihr alles andere als leicht fällt, nirgendwo so wirklich erwünscht zu sein. 
Der Einzige, der immer zu ihr gehalten hat, ist Kolibri, ihr Auto. Doch selbst das gibt nun auf dem Weg zu ihrer Schwester den Geist auf. Zu ihrem Glück allerdings kommt ein gut aussehender Kerl vorbei und hilft ihr. Dank seiner kolibrigrünen Augen ist es dann auch gleich um sie geschehen und ihre Freude könnte nicht größer sein, als sie ihren Retter, der übrigens Josh heißt, in ihrer neuen Schule wiedersieht. 
Und von diesem Moment an hat Kenzie jegliche Sympathien, die ich für sie hatte, verloren.
Sie entwickelt sich zu einer Stalkerin sondergleichen. Wäre Josh zur Polizei gegangen, sie hätte sofort eine Bannmeile bekommen. Ich habe selten eine so penetrante, nervende und total unreife Protagonistin erlebt. Da wird dann mal in Häusern rum geschnüffelt, weil ja die Haustür nicht abgeschlossen war. Macht ja Sinn, da kann man da ja einfach rein, stört doch niemanden! 
Doch mal davon abgesehen, dass fremdes Eigentum nicht gewürdigt wird, so ist Kenzie schlicht und einfach hormongesteuert. Sie ist einfach nur scharf auf Josh, aber Romantik oder Verliebtheit ist da nicht im Spiel. Letztendlich sind da keine Gefühle zwischen ihr und Josh, ich hatte ohnehin das Gefühl, dass Josh den Dates nur zustimmt, weil er nicht weiß, wie er dieses penetrante Mädchen loswerden soll. Ich hatte Mitleid mit ihm, denn ihn habe ich als Charakter wirklich sehr gerne gemocht und er hätte definitiv etwas Besseres als Kenzie verdient! Da diese “Liebesgeschichte” nun aber der Hauptteil des Buches ist, war ich sehr enttäuscht, dass die Autorin diese nicht sehr viel überzeugender beschrieben hat.
Doch auch die Geschichte um Danny, den Cousin von Josh, der gestorben ist, ist wenig mitreißend. Schon früh war mir klar, was dahinter steckt und somit war dort auch wenig Spannung vorhanden. Ich empfand es eher als sehr unglaubwürdig.

Aufgrund der extrem unsympathischen Protagonistin, der nicht rüber gebrachten Gefühle und der unglaubwürdigen Geschichte um Danny, kann ich nicht mehr als 2 Chaoskleckse geben.
Vielen Dank an den Impress-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Malou. Diebin von Geschichten – Lisa Rosenbecker

Sep
04

Autorin: Lisa Rosenbecker
Titel: Malou. Diebin von Geschichten
Originaltitel: Malou. Diebin von Geschichten
Seitenanzahl: 301
Erscheinungsdatum: 4. August 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: Impress
Buch oder Netflix? Buch!

**Lass dich nicht deiner Romanideen berauben…**
Jeder weiß, dass der Kuss einer Muse auch aus dem gewöhnlichsten Menschen einen gefeierten Autor machen kann. Doch die wenigsten wissen um die Anti-Musen, wie Malou Winters eine ist. Als Tochter einer Normalsterblichen und einer Romanfigur hat sie von der versteckten Zwischenweltbibliothek aus Zugang zu sämtlichen Londoner Buchwelten, die jemals erdacht und aufgeschrieben wurden. Statt jedoch zu inspirieren, ist es ihre Bestimmung, nicht zu Papier gebrachte Ideen zu finden und zu löschen. Eine Lebensaufgabe, die sie nicht selten frustriert, vor allem da in letzter Zeit etwas mit den Personen, zu denen ihre Aufträge sie führen, nicht zu stimmen scheint. Und dann gerät sie auch noch ins Visier eines nicht unattraktiven jungen Mannes, der gefährlich nah dran ist, ihre wahre Identität zu erraten…

Dieses Buch ist ein Traum. Das Cover ist wunderschön, das Ende ist einfach nur grandios und alles zwischendrin ebenso fantastisch! Ich werde mir jetzt allerdings zweimal überlegen, ob ich mir noch mal wünsche, von einer Muse geküsst zu werden!
Malou, die wunderbare Protagonistin, ist 19 Jahre alt und, wie sie an ihrem 18. Geburtstag erfahren hat, eine Anti-Muse. Ihre Aufgabe ist es, Ideen durch einen Kuss auf die Wange auszulöschen, die ohnehin zum Scheitern verurteilt wären. Ihre Arbeitsstelle ist die Londoner Zwischenweltbibliothek, die sie durch Buchläden erreichen kann und in der auch Buchcharaktere leben. 
Malou ist einfach nur großartig. Lisa Rosenbecker hat mit ihr, aber auch mit allen anderen, so glaubwürdige Charaktere erschaffen, dass ich jederzeit glauben würde, dass es sie wirklich gibt und das alles, was in diesem Buch passiert auch wirklich so geschieht. 
So ziemlich jeder in diesem Buch ist extrem interessant, hat seine Ecken und Kanten und seine ganz eigenen Eigenarten. Allen voran Sheldon, der Kater von Malou, der fast schon menschlich daherkommt und mir regelmäßig ein Grinsen ins Gesicht gezaubert hat. Obwohl ich Katzen prinzipiell überhaupt nicht mag, habe ich Sheldon sofort ins Herz geschlossen und mir tatsächlich gewünscht, auch einen Sheldon zu haben.
Doch nicht nur Tiere, sondern auch Menschen wurden von der Autorin großartig beschrieben. Da gibt es zum Beispiel Tom, ein Buchcharakter aus einer früh-viktorianischen Geschichte, der der Mentor von Malou ist und auf die lustigste Art mit der modernen Technik umgeht.
Oder auch Emma, Malous beste Freundin, die ebenfalls eine Anti-Muse ist und gleichzeitig großer Sherlock Holmes Fan. Sie liebt es Rätsel zu lösen und wird bald schon genug damit zu tun haben, denn die Ereignisse überschlagen sich und schon bald stecken alle knietief in einem Abenteuer sondergleichen.
Malou muss nämlich feststellen, das mit denen, die den Anti-Musen-Kuss von ihr bekommen sollen, etwas gehörig falsch ist… Das bringt dann nach kurzer Zeit Adams und Lansbury auf den Plan, zwei Polizisten, die Malou schon sehr bald sehr verdächtig finden und, im Fall von Lansbury, auch sehr attraktiv.
Die Geschichte zwischen Lansbury und Malou ist wunderschön. Zum Seufzen schön. Und das noch nicht mal auf theatralische und schmalzige Art. Im Gegenteil, die beiden liefern sich Schlagabtausche der besonderen Art. Aber wie die Autorin die Beiden und das Knistern zwischen ihnen beschrieben hat, ist so wunderschön, dass man wirklich einfach nur seufzen möchte. 

Doch einmal ganz abgesehen von den großartigen Charakteren und der mit Spannung geladenen Story, so hat es mir vor allem die Idee als solche angetan. Die Welt, mitsamt der Magie und der Mythologie dahinter, ist wie oben schon geschrieben, absolut überzeugend erzählt worden und man merkt, wie viel Herzblut und Ideen von der Autorin in dieser Geschichte stecken.

Ganz besonders erwähnen muss ich dabei aber auch unbedingt das Ende. Was für eine brillante Idee, die mir bisher noch in keinem anderen Buch so untergekommen ist. Ich werde jetzt natürlich nichts spoilern, aber wow! Ihr werdet wissen, was ich meine, wenn ihr es gelesen habt. Allein dafür hat dieses Buch schon 5 Sterne verdient.

Ich bin die Personifizierung von geplatzten Träumen, wie soll ich da meine eigenen erfüllen?
Seite 103 (laut E-Reader)

Ein Buch über das Lesen, über Ideen und über die Liebe zur Sprache. Grandios geschrieben mit wunderbaren Charakteren und einem Ende das seinesgleichen sucht. Ich bin begeistert!
Vielen Dank an den Impress-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Shadow Twins – Veronika Mauel

Sep
04

Autorin: Veronika Mauel
Titel: Shadow Twins. Zwischen Himmel und Hölle
Originaltitel: Shadow Twins. Zwischen Himmel und Hölle
Seitenanzahl: 314
Erscheinungsdatum: 4. August 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: Impress
Buch oder Netflix? Netflix

**Double trouble**
Aus einer Großstadt aufs Land ziehen zu müssen, käme für jeden Teenager einer Strafe gleich. Aber wenn man wie Mia ein 17-jähriges Berliner Punkmädchen ist, kann die Oberpfalz nur die Hölle auf Erden sein. Mit ihren pinken Haare fällt sie jedem an ihrer neuen Schule direkt auf – und den beiden Zwillingsbrüdern Nathan und Aleksander auch direkt ins Auge. Wie gefährlich es ist, das Interesse der beiden mit Abstand bestaussehenden Jungen der Schule zu wecken, versteht Mia jedoch erst, als es schon fast zu spät ist. Denn Nathan und Aleksander sind nicht nur der Traum aller Mädchen, sondern stammen auch nicht von dieser Erde. In ihre Fänge zu gelangen, könnte Mia mehr als nur ihr Herz kosten…

Ich bin bei diesem Buch hin und her gerissen. Der erste Teil gefiel mir außerordentlich gut, der zweite allerdings so überhaupt nicht mehr.
Mia, die Protagonistin zieht mit ihren Eltern von Berlin nach Schwarzendorf und ist alles andere als glücklich darüber. Aus Protest färbt sie sich die Haare pink und zieht damit nicht nur den Zorn ihrer Eltern, sondern auch den Spott der neuen Klassenkameraden auf sich. War sie in Berlin noch cool, so ist sie dort nun eher der Freak, was ihr schon sehr zu schaffen macht.
Mia hat mir als Charakter sehr gut gefallen. Sie hat ihren eigenen Kopf und ist eine starke Persönlichkeit. Besonders ihrer Mutter, die extrem aufs Aussehen achtet und der es wichtiger als alles Andere ist, was andere von ihr und ihrer Familie denken, bietet sie die Stirn. Sie bleibt sich selbst treu, auch wenn ihre Hormone bald gehörig durcheinander gewürfelt werden.
An der neuen Schule trifft sie nämlich auf die Le-Vrai-Zwillinge Aleksander und Nathan, die von der gesamten weiblichen Schülerschaft angeschmachtet und von der männlichen bewundert werden. Beide sind prinzipiell erstmal Kotzbrocken und mit Beiden bin ich absolut nicht warm geworden. 
Nathan ist der typische Bad Boy, wie er im Buche steht. Egoistisch, eingebildet, verletzend, abwertend… Aleksander, bei dem Mia dann auch schnell weiche Knie bekommt, ist da ruhiger als sein Bruder, geringfügig freundlicher und trotz allem immer noch extrem unsympathisch. 

Bald häufen sich die seltsamen Vorkommnisse und wie Mia herausfindet ist nun schon das 6. Mädchen innerhalb von 2 Monaten in die Psychiatrie eingewiesen worden. Deshalb schließt die Schule eine Woche eher, so dass für die Schüler ein Sommercamp angeboten wird, um diese langen Sommerferien zu überbrücken. Und dort nehmen dann die seltsamen Vorkommnisse ihren Lauf.
Dieser Mystery-Aspekt hat mir sehr gut gefallen. Zwischendurch werden immer kleine Szenen eingestreut, die noch neugieriger auf die Auflösung machen und mich erstmal wilde Vermutungen anstellen ließen.

Leider gefiel mir das Buch dann aber gerade von dieser Auflösung an, bei der man erfährt, was da vor sich geht, so überhaupt nicht mehr. Alles wird einfach too much, ist zu abgehoben, zu pathetisch (vor allem die Unterhaltung von Aleksander mit seiner Mutter), Unterhaltungen wirken sehr gekünstelt, besonders die zwischen Aleksander und Mia, die er (warum auch immer) durchgängig mit “Kleiner Stern” anredet, was nach einiger Zeit einfach nur noch nervt.
Letztendlich hat mich Aleksander in der zweiten Hälfte des Buches so sehr genervt, dass mir sogar Nathan sympathischer war, was von der Autorin so bestimmt nicht gewollt war.
Dementsprechend konnte ich auch der Liebesgeschichte zwischen den Beiden nichts abgewinnen, was die Lesefreude dann noch mehr schmälerte.

Die erste Hälfte des Buches war sehr sehr gut, doch leider musste ich mich durch den Rest durchkämpfen. Sehr schade!
Vielen Dank an den Impress-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Luca & Allegra 2 – Stefanie Hasse

Sep
04

Autorin: Stefanie Hasse
Titel: Luca & Allegra 2: Küsse keine Capulet
Originaltitel: Luca & Allegra 2: Küsse keine Capulet
Seitenanzahl: 288
Erscheinungsdatum: 4. August 2016
Reihe: Band 2 der “Luca & Allegra” Dilogie
Verlag: Impress
Buch oder Netflix? Buch!

**Romeo & Juliet always live…**
Heimliche Küsse, hastig geschriebene Liebesbriefchen und herzerweichende Balkonserenaden kennt Allegra höchstens aus Shakespeares Dramen, aber in der Realität ist ihr so etwas noch nie passiert. Schon merkwürdig, wenn man tagein tagaus in einem italienischen Restaurant bedient, von unzähligen Männern angesprochen wird und sich trotzdem niemals verliebt hat. Erst als ein attraktiver Neuer den Aushilfsjob im Restaurant annimmt und auch noch ihre Liebe zu »Romeo und Julia« teilt, beginnt sich eine Erinnerung in ihr zu regen, an Gefühle, die sie doch niemals hatte, und an einen Mann, den sie doch niemals kannte. Einen Mann mit eisblauen Augen, mit dem sie einst ein magisches Schicksal verband…

Ein toller Abschluss der Dilogie um Luca und Allegra.
Nach dem fiesen Cliffhanger des ersten Teils ging ich voller Erwartung und Spannung an diesen Teil heran und wurde gleich zu Anfang positiv von der Story überrascht.
Allegra erinnert sich nämlich an nichts von dem, was ihr am Gardasee passierte und so geht die Geschichte ein bisschen wieder von vorne los, denn nun ist Luca derjenige, der zwei Wochen hat, um Allegra zu küssen. So weit, so gut. Hört sich simpel an? Hah! Weit gefehlt! 
Stefanie Hasse hat es geschafft, so viele falsche Fährten in diesem Buch zu legen, dass ich zwischendurch keine Ahnung mehr hatte, wer wer ist und wer eigentlich gut ist und wer dann doch eher hinterhältig, fies und gemein. Es hat was von einem Detektivspiel, gerade auch durch mysteriöse SMS, die Allegra bekommt, und das hat einen riesen Spaß gemacht! 
Sehr gut hat mir auch gefallen, dass auch in diesem Teil wieder “Romeo und Julia” sehr präsent ist. Durch eingebaute Zitate oder Anspielungen auf die Handlung wird auch hier eine Art Netz um das Buch gewoben und dem Ganzen so noch das I-Tüpfelchen aufgesetzt.
So hat man dann auf der einen Seite “Romeo und Julia”, während auf der anderen wieder die Mythologie steht, die teils auf der “echten” Mythologie beruht, teils auf einer von der Autorin erfundenen. Dieses hat mir im ersten Teil extrem gut gefallen, doch hat meiner Meinung nach diese Mythologie im 2. Teil einen zu großen Platz eingenommen. Durch die ganzen Götter und Göttinnen kam ich zwischendurch schon durcheinander, besonders, weil mir hier so absolut jegliches Vor- und Grundwissen fehlt. (Venus und Amor sind mir natürlich ein Begriff, aber dann hört es auch schon auf.) Mit mehr Hintergrundwissen hätte ich wahrscheinlich auch mehr der Anspielungen verstanden, was so etwas schwierig war.

Ein bisschen schade fand ich auch, dass die Anziehung zwischen Allegra und Luca für mich diesmal nicht so spürbar war wie noch im ersten Teil. Hätte ich den ersten Teil nicht gelesen, wäre mir nicht ersichtlich gewesen, was die Beiden eigentlich verbindet. Ich habe da eindeutig mehr Anziehung zwischen Metus und Allegra empfunden als zwischen Luca und Allegra.

Trotz meiner Kritikpunkte hat mir dieses Buch sehr gut gefallen und ich hoffe, bald mehr von der Autorin zu lesen!
Vielen Dank an den Impress-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Seit ich dich gefunden habe – Kat French

Sep
02

Autorin: Kat French
Titel: Seit ich dich gefunden habe
Originaltitel / Übersetzerin: The Piano Man Project / Andrea Härtel
Seitenanzahl: 304
Erscheinungsdatum: 10. Juni 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: mtb
Buch oder Netflix? Buch!

Der Frühstücksspeck verbrannt und ein Feuermelder, der einen Höllenlärm veranstaltet. Wenn das kein gelungenes Katerfrühstück ist. Honey ist genervt und dann mischt sich auch noch ihr unausstehlicher Nachbar Hal ein und beschimpft sie. Er könnte ja zumindest anbieten ihr zu helfen. Stattdessen lässt er sie einfach stehen und verschwindet wieder in seiner Wohnung. Trotzdem, irgendwie hat Honey das Gefühl, dass sich mehr hinter seiner abweisenden Art verbirgt und beschließt nicht einfach aufzugeben und sich mit ihm anzufreunden. Schließlich ist er Koch, da kann er ihr bestimmt einiges beibringen. Doch dann erkennt Honey: Hal ist Blind. Ist es vielleicht eigentlich er, der ihre Hilfe braucht?

Was für ein grandioser Mix aus Humor, Drama und einem gehörigen Schwarm Schmetterlinge im Bauch!
Honey ist orgasmuslos. Weder mit einem Mann, noch alleine hat sie jemals einen Orgasmus gehabt und nun schmieden ihren Freundinnen Tash und Nell den Plan, ihr einen Pianisten zu organisieren, der ja von Haus aus schon feinfühlige Finger hat und sie somit zu ihrem ersten Orgasmus bringen soll. Da passt dann auch der Originaltitel “The Piano Man Project” gleich viel besser.
Honey ist einfach großartig! Sie war mir sofort sympathisch mit ihrer leicht tollpatschigen und einfach nur liebenswürdigen Art. Auch Tash und Nell ihre Freundinnen passen einfach wunderbar zu ihr. Tash ist eher die Draufgängerin, die nichts anbrennen lässt, während Nell (wenigstens anfangs!) die brave Ehefrau ist, die eher ein bisschen verklemmt daher kommt. Die drei ergänzen sich ganz wunderbar und ich würde jederzeit glauben, dass alle miteinander auf echten Freundinnen der Autorin beruhen. Das gilt übrigens für alle Charaktere in diesem Buch. Alle wirken wie direkt aus dem Leben gegriffen und sind durch die Bank weg authentisch. 
Besonders gut hat mir auch Honeys Arbeitsplatz gefallen, denn sie arbeitet in einem Wohlfahrtsladen, der zu einem Seniorenheim gehört. Das wäre jetzt an sich nichts besonderes, doch die Bewohner des Heims, allen voran Lucille und Mimi, die auch im Laden aushelfen, sind einfach nur großartig! Die Szenen, die Kat French in diesem Laden beschriebt sind zum Brüllen komisch, weil sämtliche Bewohner des Heims für ordentlich Trubel sorgen und gerade auch bei schlüpfrigen Themen kein Blatt vor den Mund nehmen. Da ist es dann natürlich gleich umso tragischer, dass sowohl der Laden als auch das Heim geschlossen werden sollen, was zu einer Aktion führt, bei der Plüschhandschellen und Krawatten eine große Rolle spielen und in all der Komik soviel Tragik liegt, dass ich Rotz und Wasser geheult habe.
Und jetzt habe ich tatsächlich schon drei Absätze geschrieben, ohne überhaupt auf den männlichen Protagonisten zu kommen. Und das ist schlicht und einfach nur möglich, weil dieses Buch so viel mehr zu bieten hat, als einfach nur eine Liebesgeschichte, auch wenn die es wirklich in sich hat!
Hal ist nämlich ein Kerl, dem ich gerne zwischendurch mal eine runter gehauen hätte. Er ist ein ehemaliger sehr bekannter Koch, der durch einen Unfall erblindet ist und nun in das Haus von Honey gezogen ist. Den Kontakt zu seinen Freunden hat er weitestgehend abgebrochen und hasst alles und jeden und am meisten wohl sich selbst. man merkt, wie unzufrieden er mit seinem Leben ist, wie frustriert und wie sehr die Blindheit ihm zu schaffen macht.
Durch einen Küchenunfall lernen sie sich dann zum ersten Mal kennen und schon bald entwickelt sich eine Hassliebe zwischen den Beiden. Großartige Schlagabtausche wechseln sich ab mit Gesprächen, die tieftraurig sind. Auch wenn die meisten dieser Gespräche nur durch verschlossene Türen hindurch stattfinden, so merkt man doch schnell, dass es da mächtig knistert zwischen den Beiden. Doch sobald sie sich näher kommen, tut Hal alles, um Honey wieder von sich zu stoßen.
Die Geschichte der Beiden ist von der Autorin wundervoll beschrieben worden und ich glaube nicht, dass eine Bartrasur jemals so sexy war!

Ihm war nur Schlechtes geblieben, nichts Gutes und er hatte keine Ahnung, ob noch genug von ihm übrig sein würde, um daraus einen neuen Menschen erschaffen zu können.
Seite 209 (laut E-Reader)

Wer eine wunderschöne Liebesgeschichte, eine riesen Portion Humor und großartige Charaktere sucht, dem kann ich dieses wunderbare Buch nur empfehlen!
Vielen Dank an den mtb-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Hinter den Wolken – Daniela Blum

Sep
02

Autorin: Daniela Blum
Titel: Hinter den Wolken
Originaltitel: Hinter den Wolken
Seitenanzahl: 320
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: Forever
Buch oder Netflix? Buch

Eigentlich wollte Sina ihrem verkorksten Leben ein Ende setzen. Doch nach ihrem Selbstmord findet sie sich nicht wie geplant im Paradies, sondern in der Schutzengelzentrale wieder. Dort erfährt sie, nur dann ins Paradies ‘weitergehen’ zu können, wenn sie vorher als Schutzengel tätig wird. Ihr Schützling wird Jan, ein junger Witwer, bei dem Sina so ihre liebe Müh und Not hat, ein unplanmäßiges Ausscheiden aus dem Leben zu verhindern. Als sie versehentlich sichtbar wird, bricht vollends Chaos aus: Nachdem auch der letzte Geisterbeschwörer und Priester erfolglos verschwunden sind, muss Jan Sinas Anwesenheit akzeptieren. Mehr noch, er fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen. Und Sina ist sich plötzlich gar nicht mehr sicher, ob sie wirklich endgültig abtreten will. Aber kann man sich in seinen Schutzengel verlieben? Und gibt es für Sina überhaupt einen Weg zurück ins Leben? 

Die Idee ist großartig, aber leider haben mich die Umsetzung und der Schreibstil nicht ganz überzeugen können.
Protagonistin des Buches ist Sina, die aufgrund einer Krebserkrankung keine Kinder bekommen kann und dann eines Tages von ihrem Mann verlassen wird, da er mit einer anderen Zwillinge erwartet. Starker Tobak ist das und so kann man gleich zu Beginn mit Sina mitleiden und versteht ihre Verzweiflung, die sie letztendlich in den Selbstmord treibt. Doch anstatt in den Himmel (oder die Hölle) zu kommen, landet sie in der Schutzengelzentrale, bekommt dort Jan als ihren Schützling zugeteilt und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. 
Die Schutzengelzentrale fand ich als Idee großartig und sie wurde auch wunderbar von der Autorin beschrieben. Dieser Teil des Buches hat mir sehr gut gefallen, vor allem auch, weil jedem Kapitel ein Ausschnitt aus dem Schutzengelhandbuch voran gestellt war. Diese Ausschnitte hatten immer einen direkten Bezug zum kommenden oder vergangenen Kapitel und haben dem ganzen Schutzengelaspekt noch eine besondere Note gegeben (besonders weil schnell klar wurde, gegen wie viele Regeln Sina eigentlich verstößt).
Sina hat mir als Protagonistin gut gefallen. Sie hat in ihrem Leben schon einiges mitmachen müssen und immer wieder Stöcke zwischen die Beine geschmissen bekommen. Sie macht während des Buches eine große Entwicklung durch.
Jan ist mir als männlicher Hauptcharakter nicht wirklich sympathisch geworden. Zu sprunghaft war er, zu launisch. Das liegt natürlich auch daran, dass er manisch-depressive Züge und generell einen großen Haufen Probleme in seinem Leben hat, so starb seine Frau und seine Tochter ist seitdem bei seinen Schwiegereltern. Dennoch wurde ich mit ihm nicht warm und konnte so der ganzen Liebesgeschichte zwischen Sina und ihm auch nicht so viel abgewinnen.
Lediglich der Teil des Buches, der sich um seine Liebe zu seiner kleinen Tochter drehte, konnte mich berühren, denn dort vermittelte die Autorin die Gefühle und auch die Ohnmacht, die er durch die aggressiven und hinterhältigen Machenschaften seiner Schwiegereltern fühlt, sehr glaubhaft.

Generell hat mir nicht so gut gefallen, wie schnell sich Beziehungen entwickelt haben. Zwischen Jan und Sina funkte es meiner Meinung nach viel zu schnell und auch die Freundschaft zwischen Sina und Wiebke (einem anderen Schutzengel) besteht bereits nach der zweiten Unterhaltung. Ich hätte mir hier gewünscht, dass die Autorin ihren Charakteren mehr Zeit gibt, sich überhaupt erstmal kennen zulernen.
Ein weiteres Manko für mich ist die Darstellung von Erzieherinnen (und das ist sicherlich berufsbedingt und sehr spezielle Kritik, aber ich bin nun mal Erzieherin und das ist mir schon sauer aufgestoßen). Sowohl Sina als auch ihre Freundin Paulina sind Erzieherinnen und verhalten sich, als ob sie nie eine Ausbildung genossen hätten. So muss zum Beispiel der Kinderarzt Paulina etwa sagen, dass ihr Sohn gerade seine Grenzen austestet. Sie ist Erzieherin, so was weiß sie selbst!
Außerdem baggert Paulina im Kindergarten schamlos Jan an, dessen Tochter in diesen Kindergarten geht. Ich kenne niemanden, der sich so unprofessionell verhalten würde. Ein Arzt fällt ja schließlich auch nicht über seine Patienten her.

Mein größtes Problem waren allerdings die Erotikszenen, von denen es zum Glück nicht so viele gab. Wie diese beschrieben wurden hat mich einfach nur zum Schütteln gebracht. Da ist dann von Schwertern und Kirschen die Rede… Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Autorin die Dinge einfach nicht beim Namen nennen wollte, oder sich dachte, dass diese Beschreibungen dem ganzen eine extra Note geben, jedenfalls waren diese Szenen in meinen Augen einfach nur schrecklich.

Die Idee einer Schutzengelzentrale war sehr gelungen und auch gut umgesetzt, aber leider überwiegen die Punkte, die mir nicht so gut gefallen haben, so dass ich mich durch die letzten Seiten zwingen musste.
Vielen Dank an den Forever-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

[Rezension] Hope & Despair 2 – Carina Mueller

Sep
02

Autorin: Carina Mueller
Titel: Hope & Despair, Band 2: Hoffnungsnacht
Originaltitel: Hope & Despair, Band 2: Hoffnungsnacht
Seitenanzahl: 332
Erscheinungsdatum: 4. August 2016
Reihe: Band 2 der “Hope and Despair” Trilogie
Verlag: Impress
Buch oder Netflix? Buch!

**Wenn Liebe zu Hass wird und Hass zu Liebe…**
Sie standen einst für die besten Gefühle im Menschen: die sechs Probas, die der Erde geschenkt wurden, um das Gute zu unterstützen. Doch nach ihrer Entführung erkennt Hope ihre bislang so bildhübschen und sanftmütigen Schwestern kaum noch wieder. Modesty strotzt vor Überheblichkeit, Love sprüht vor Aggression und die anderen sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Dafür lernt Hope am sonst so düsteren Despair Seiten kennen, die sie niemals für möglich gehalten hätte, und entwickelt immer tiefere Gefühle für ihn. Aber als einige ihrer Schwestern plötzlich verschwinden und die Leiche eines blonden Mädchens aufgefunden wird, bei der es sich eigentlich nur um eine Proba handeln kann, nimmt alles eine unerwartete Wendung…

Ein tolles Buch, das die Geschichte um Hope, Despair und ihre Geschwister spannend weiter erzählt.
Gleich zu Beginn wird man wieder mitten in die Geschichte geworfen, wobei ich es schwer fand, da gleich den Anschluss zu finden, gerade weil der 1. Teil nun auch schon wieder ein paar Wochen her war. Nach diesen anfänglichen Startschwierigkeiten war ich dann aber wieder gefesselt von der Geschichte.
Sehr gut hat mir gefallen, dass während der ersten Hälfte des Buches eigentlich gar nicht so viel passiert ist. Da gibt es wenig Action, stattdessen geht es mehr um die Beziehungen und Entwicklungen der einzelnen Charaktere. So merkt man zum Beispiel bei Love und Treason eine Veränderung, aber auch Hope und Despair haben sich verändert. Gerade durch einige Einblicke in die Vergangenheit, wird besonders Despair noch viel sympathischer, als er sowieso schon war, da einfach seine Beweggründe viel klarer werden. Überhaupt macht er während dieses zweiten Teils der Trilogie eine große Veränderung zum Positiven durch. Dieses kann ich leider von Hope nicht sagen, die doch immer noch sehr naiv daherkommt und mir leider durchgängig zu eindimensional und blass blieb. Sie handelte und dachte nicht viel anders als noch im ersten Teil und ist somit leider etwas stehen geblieben, während Despair riesige Schritte gemacht hat. Ich bin gespannt und hoffe, dass sich Hope im letzten Teil zum positiven verändern wird.

Gut hat mir auch gefallen, dass Vic, die ja schon im ersten Band auftauchte, diesmal eine größere Rolle hat und auch dafür sorgt, dass sowohl die Protagonisten als auch ich als Leserin gehörig ins Nachdenken kommen. Denn sie stellt Fragen und macht Aussagen, die alle an ihrer eigentlichen Rolle als Gefühlsmagnet zweifeln lassen. Auf die Auflösung, weshalb es die Geschwister nun wirklich gibt und was ihre Rolle auf der Erde ist, bin ich extrem gespannt!

Die zweite Hälfte des Buches wird dann zum wahren Pageturner, denn da geht es nochmal richtig los. Dramatik, Action und Spannung tummeln sich besonders auf den letzten Seiten und sorgen erneut für einen ganz ganz fiesen Cliffhanger.

Sieht man davon ab, dass Hope mir zu eindimensional blieb, ist dies ein toller zweiter Teil der Trilogie, der mir sogar noch einen Tick besser als der erste Teil gefallen hat.
Vielen Dank an den Impress-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.