[Rezension] Bird and Sword – Amy Harmon

Okt
26
2017

Autorin: Amy Harmon
Titel: Bird and Sword
Originaltitel / Übersetzerin: The Bird and the Sword / Corinna Wieja
Seitenanzahl: 398
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2017
Reihe: Band 1 von ?
Verlag: LYX
Buch oder Netflix? Buch!

Ein Mädchen ohne Stimme. 
Ein König in Ketten. 
Ein Fluch, der sie vereint. 
Mit fünf Jahren musste Lark mit ansehen, wie ihre Mutter vor ihren Augen hingerichtet wurde. Mit dem letzten Atemzug nahm sie ihrer Tochter die Stimme und die Macht der Worte. Denn Magie ist eine Todsünde in Jeru. Dreizehn Jahre später erscheint der junge König Tiras am Hof von Larks Vater, um diesen an seine Treuepflicht im Krieg zu erinnern. Er nimmt die stumme junge Frau als Geisel mit sich. Zunächst fürchtet Lark den König, doch sie merkt schnell, dass Tiras ebenso wenig frei ist wie sie und dass die Liebe womöglich die einzige Waffe ist, die ihrer beider Ketten sprengen kann … 

Ich habe bisher noch nichts von Amy Harmon gehört, geschweige denn überhaupt eines ihrer Bücher gelesen, weswegen ich mit einer Dann-lass-ich-mich-mal-überraschen-Haltung an das Buch herangegangen bin. Und ich kann definitiv sagen, dass die Überraschung kaum größer hätte sein können! Bei diesem Buch stimmt einfach alles. Angefangen beim großartigen Cover, das perfekt zum Buch passt, über den bezaubernden Schreibstil und die Charaktere. Ich bin hin und weg von “Bird and Sword” und wäre am liebsten ewig mit Lark in Jeru geblieben.
Lark ist ein außergewöhnlicher Charakter. Durch den frühen Tod ihrer Mutter, einer Weissagerin, und die ablehnende Haltung ihres Vaters, war sie von Kindheit an fast auf sich allein gestellt. Lediglich Boojohni, ein Zwerg und ehemaliger Diener ihrer Mutter, ist ihr ein Vertrauter. Doch nicht nur das macht ihr das Leben schwer. Weitaus schwerer ist, dass Lark nicht mehr sprechen kann, seit ihre Mutter starb. Sie macht sich mit Gesten verständlich, lesen und schreiben hat sie nie gelernt. So wird sie von vielen ignoriert oder gar als Idiotin abgestempelt. Doch in Lark schlummert weitaus mehr als auf den ersten Blick ersichtlich ist.
Amy Harmon hat mit Lark eine Protagonistin erschaffen, die trotz (oder gerade wegen) ihres Nicht-perfekt-seins einfach nur perfekt und großartig ist. Ich hatte schon lange keinen so großen Spaß mehr dabei, eine Protagonistin auf ihrer Reise zu begleiten. Ihre Handlungen sind nachvollziehbar und so hat sich Lark bald schon wie eine Freundin angefühlt. 
Besonders ihre Verbindung zu Tiras hat mich dabei total begeistert. Das Knistern zwischen den Beiden war merklich spürbar und gerade zu Anfang hab ich mich viele Male seufzen hören, einfach weil ihre Beziehung mit so viel Spaß, Bauchkribbeln und auch einem Schuß Dramatik erzählt wurde.
Doch nicht nur Lark hat mich überzeugt. Jeder Charakter in diesem Buch ist liebevoll ausgearbeitet und hat seine eigenen Eigenarten und Besonderheiten. Das ist auch einer der Punkte, der mich so begeistert hat. Selbst kleine Nebencharaktere wurden großartig beschrieben und geben dem Buch das besondere Etwas.
Gleich zu Beginn lernt man Lark und ihre Mutter Meshara kennen und sofort liegt eine besondere Magie in der Luft. Augenblicklich merkt man, dass Wörter in diesem Buch etwas besonderes sind und das ist ein weiterer Punkt, der dieses Buch für mich so besonders macht. Es geht nicht nur einfach so um Wörter. Nein. Wörter haben in “Bird and Sword” eine Macht, die Anfangs gar nicht abzusehen ist. Und das finde ich großartig, denn Wörter sind hier mächtiger als Waffen.
Das Wort als solches kann verletzen, heilen, Dingen Leben einhauchen und noch so vieles mehr, wenn man nur weiß, wie man es benutzen muss.
Es sind aber nicht nur die Wörter voller Magie in diesem Buch, sondern auch die Welt, in der “Bird and Sword” spielt. Die Autorin hat ihre eigene Welt erschaffen und mit ihr einen eigenen Schöpfungsmythos. Viele Kreaturen bevölkern Jeru, gute und böse, und auch wenn Magie verboten ist, so ist sie doch überall spürbar.

Dass Amy Harmon weiß, wie man Wörter benutzen muss, kann nach diesem Buch niemand mehr anzweifeln, denn auch sie versteht es auf großartige Weise, mit Wörtern umzugehen. Beim Lesen entsteht eine Sogwirkung, die mich nicht mehr losgelassen hat. Besonders der teils schon poetische Schreibstil hat es mir dabei angetan, was man auch gut an der großen Zitateauswahl weiter unten merken kann.

Besonders gut hat mir gefallen, dass am Ende alles zusammen kommt. Ich könnte auch sagen: der Kreis schließt sich. Alles wird aufgelöst und selbst Dinge, an die ich schon gar nicht mehr gedacht hatte, wurden in sehr überraschender und unvorhersehbarer Weise wieder eingebracht und zu einem Ende geführt.
Dabei hat mich vor allem der Epilog dann doch noch emotional komplett unerwartet erwischt und in ein heulendes Häuflein Elend verwandelt. Ganz klar der perfekte Abschluss für ein perfektes Buch!

Sie war meine kleine Lerche. Lark – der Name schoss mir sofort in den Kopf, als ich sie sah, und ich akzeptierte ihn, nahm ihn vom Vater aller Wörter an und vertraute darauf, dass das Schicksal ihn für sie bestimmt hatte.
Seite 9

Jemand schrie und der Schrei gellte durch die Luft, als ob der König den Himmel in zwei Hälften geteilt und das Grauen freigelassen hätte.
Seite 16

Meine Farben waren so zurückhaltend und unscheinbar wie ich. Fahl und fade. Und so hauchzart, dass sie sich nie ganz herauskristallisiert hatten. Ich kam mir vor wie ein kleiner, grauer Geist.
Seite 33

Der Hof würde eine Weile über mich tratschen und mich dann ganz vergessen. Diese Wirkung hatte ich auf Menschen. Stille war ein naher Verwandter der Unsichtbarkeit.
Seite 62

Ich errichtete eine frostige Schutzschicht in meinem Herzen und der Feuersbrunst in meinem Inneren, damit ich nicht in Panik geriet, weil ich plötzlich ein Pfand in einem sehr gefährlichen Spiel geworden war.
Seite 154

Ich lachte frustriert auf und hätte meinen Ärger am liebsten zu dem dicken Mond hinaufgeschrien, der uns träge beobachtete wie ein betrunkener Zuschauer, der seine Neugier nicht verbergen konnte.
Seite 204

Die Verzweiflung, die sich auch in seiner Miene spiegelte, bauschte sich um ihn und kräuselte die Dunkelheit wie ein Stein im Wasser.
Seite 297

Sogar die Wände weinten. Farbe tropfte in langen traurigen Streifen herunter und zerstörte, was einst gewesen war.
Seite 324

Von der ersten Seite an, hat mich “Bird and Sword” gefesselt und das in allen Aspekten. Der Schreibstil ist großartig, teilweise fast schon poetisch und hat mich zutiefst berührt. Gepaart mit einer spannenden Geschichte und einer überzeugenden Welt hat sich dieses Buch zu einem meiner Lieblinge entwickelt.
Und nun bleibt mir nur noch zu sagen: “Geht und tut Gutes!”
Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.


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